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Verkalkte Veteranen
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der zweite REO wurde wie sein älterer Bruder verschrottet
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Die Größe der landwirtschaftlichen Betriebe im Sauerland erlaubt es
nicht jedem Bauern, sich einen eigenen Mähdrescher oder andere teure
Bearbeitungs- und Erntemaschinen zu kaufen. Viele von ihnen haben sich
daher zusammen getan und betreiben solche Maschinen gemeinsam. Andere
Bauern greifen auf landwirtschaftliche Lohnunternehmen zurück, die in
der Regel einen
umfangreichen Maschinenpark vorhalten. Ein solcher Lohnunternehmer ist
Meindert Heikamp aus Iserlohn-Hennen. Seinen Betrieb hat er vor vielen
Jahren von seinem ehemaligen Chef gekauft. Im Fuhrpark befanden sich
bei der Übernahme einige für den Oldtimerfreund interessante Fahrzeuge,
die heute noch im Einsatz sind.
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Henschel HS 22 HA bereit zum nächsten Einsatz auf dem Betriebshof in Hennen
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Meindert Heikamp ist gelernter Landwirt. Den gebürtigen Ostfriesen
verschlug es irgendwann ins sauerländische Hennen, einem Ortsteil von
Iserlohn. Bei dem erwähnten Lohnunternehmer fand er eine Anstellung.
Schon damals wurden den Bauern Arbeiten wie das Legen von Mais, das
Aufsprühen von Pflanzenschutzmitteln, der Einsatz von Ladewagen, das
Mähdreschen, das Mais häckseln, Kalk streuen, Zuckerrüben roden, Mais
dreschen, Holz schreddern und Mulchen angeboten. Im Jahr 1965
wurde ein Fahrzeug benötigt, das bei den umliegenden Landwirten für das
Kalken der Felder eingesetzt werden konnte. Aus Beständen der
amerikanischen Armee wurde ein REO gekauft. Dieses 1950 gebaute
Fahrzeug soll bereits in Korea eingesetzt worden sein. Seine alten Tage
verbrachte es auf den holprigen Feldern der sauerländer Bauern.
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HS 22 HA beim Beladen im Kalkwerk in Lendringsen
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Mit einem selbstgebauten Kalkbehälter und entsprechenden abklappbaren
Streuvorrichtungen versehen, war der REO nur einige Wochen pro Jahr im
Einsatz. Den Rest des Jahres stand das Fahrzeug in der Maschinenhalle
in Hennen. Grundsätzlich bewährte sich der LKW, dessen Originalmotor
später einem 125 PS-Henschel-Motor weichen musste. Das Fassungsvermögen
des Aufbaus und die Tragfähigkeit waren jedoch irgendwann nicht mehr
ausreichend. Ein größeres Fahrzeug wurde zusätzlich beschafft -
ebenfalls ein REO. Diese beiden Kriegsveteranen wurden aus
Altersschwäche irgendwann verschrottet und durch einen modernen
Henschel HS 22 HA ersetzt, der über einen 192 PS-Motor verfügte. Dieser
Henschel ist heute noch im Einsatz und kann von Spätsommer bis Herbst
in und um Iserlohn beim Kalken beobachtet werden.
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HS 22 HA im Einsatz auf einem Feld in Hennen
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Zu dem Henschel wurde im Jahr 1972 ein Mercedes-Benz LG 315 gekauft.
Auch dieses Fahrzeug wurde mit einem Kalkaufbau und -streuer versehen
und unterstützte den Henschel beim Kalken. Ein dritter, aus
Bundeswehrbeständen stammender LKW wurde einige Jahre später beschafft.
Dabei handelte es sich um einen dreiachsigen Faun L 912/45 A mit 27 to
Gesamtgewicht, der 1960, damals noch mit Faltverdeck, an die junge
deutsche Bundeswehr geliefert worden war. Der luftgekühlte Deutz-Motor
bewährte sich in diesem Fahrzeug nicht. Der verstreute Kalk machte dem
Motor schwer zu schaffen, so dass Heikamp sich entschloss, einen 230
PS-Henschel-Motor des Typs 6 R 1315-230 523 in den Faun zu verpflanzen.
Der Kühler, der ebenfalls mit eingebaut werden musste, passte nicht
unter die serienmäßige Motorhaube. So wurde kurzerhand die Frontmaske
des Faun entfernt, ein Kühler eingebaut und mit einem selbstgefertigten
Schutz versehen. Der LKW sieht nun nicht mehr so schön aus wie er ab
Werk geliefert worden ist. Da er jedoch schon seit vielen Jahren in
diesem Outfit im Einsatz ist, kann er sicherlich inzwischen auch als
Original bezeichnet werden.
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Traumjob: Martin Viehweger darf den unhandlichen Faun fahren
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Im Spätsommer 1994 gab es die Gelegenheit, Faun und Henschel im aktiven
Einsatz zu beobachten. In der Kalksaison waren beide Fahrzeuge mehrere
Wochen lang den gesamten Tag unterwegs. Der dritte im Bunde, der
Mercedes, stand als Ersatzfahrzeug bereit, kam aber schon seit einigen
Jahren nicht mehr zum Einsatz. Von der Maschinenhalle in Hennen ging es
zu den Feldern der Bauern, die entsprechende Aufträge an Heikamp
erteilt hatten. Das Fahren auf den Straßen mit den für das Gelände
ausgelegten Reifen ging dabei nicht so schnell, wie es sich einige
Zeitgenossen vorstellten. Andere LKW-Fahrer, die hinter den
Kalk-Lastern fahren mussten, waren oft ungeduldig, da sie wertvolle
Sekunden hinter Heikamps Boliden verloren. Auf dem Feld angekommen
wurden die Kalkstreuer ausgeklappt und die Absperrungen der
Kalkbehälter geöffnet. Der Behälter des Henschel fasste 10 bis 11 to
Kalk. Nach einem ausgeklügelten System wurden die Felder so abgefahren,
dass kein Quadratmeter ungekalkt blieb. Selten reichte eine Kalk-Ladung
für ein ganzes Feld. Also mussten die LKW zwischendurch immer wieder
einmal zum Kalkwerk nach Menden-Lendringsen fahren, um dort Nachschub
zu bunkern. Durch den verstreuten Kalk befand sich ständig eine weiße
Wolke um die LKW. Die Fahrzeuge hatten daher immer eine grauweiße
Kalkschicht auf dem Lack. Es lohnte sich nicht, diese Schicht
abzuwaschen. Lediglich die Beleuchtungselemente und die Scheiben wurden
nach jedem Einsatz gesäubert.
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staubige Angelegenheit - HS 22 HA im Einsatz
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Nicht jeder Einsatz der Kalklaster verlief wie geplant. In den
sauerländer Bergen gab es so manches Feld, das sich zum Teil an sehr
steilen Hängen befand. Für diese Gegend waren die allradgetriebenen
Fahrzeuge zumeist ausreichend. 1993 jedoch musste der Faun eine
Pferdewiese in der Gegend um Altena befahren. Während des Kalkens fuhr
sich der Fahrer des Faun Martin Viehweger fest und kam nicht mehr frei.
Jeder Versuch, den Wagen aus eigener Kraft wieder auf festen Boden zu
bringen, scheiterte und verschlechterte die Lage noch. Zum Glück übte
die belgische Armee in der Nähe für den Ernstfall. Mit einem
Bergepanzer wurde der Faun aus seiner misslichen Lage befreit.
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HS 22 HA im Einsatz
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Meindert Heikamp hält auch in Zukunft fest an seinen Oldtimern, die er
jedoch gar nicht als solche sieht. Die Wagen sind für ihn
Gebrauchsgegenstände, die nur wenige Wochen im Jahr im Betrieb sind.
Sie werden wohl auch noch weitere Jahre für ihn unentbehrlich sein.
Natürlich träumt auch er von modernen Lastern. So könnte er sich schon
vorstellen, einen vierachsigen Mercedes entsprechend umzubauen. Doch
das ist im Moment noch kein ernst zu nehmendes Thema für ihn. Auch die
Ersatzteilversorgung macht ihm noch keine Probleme. Einige Ersatzmotore
hat er noch eingelagert. So werden wir auch weiterhin im Herbst in und
um Iserlohn die verkalkten Veteranen auf den abgeernteten Feldern im
Einsatz bewundern können.
Text: Manfred Koch
Fotos: © Manfred Koch und Archiv Heikamp
Fast alle Fotos dieses Berichtes können auch als Papierabzug im Format
13 x 18 cm zum Stückpreis von € 2,-- zuzüglich Porto- und Versandkosten
bestellt werden bei powalski@freenet.de.
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Weitere Bilder:
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Ansicht auf das Heck des HS 22 HA mit den hochgeklappten Kalkstreuern
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HS 22 HA beim Kalk bunkern in Lendringsen
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HS 22 HA beim Kalk bunkern in Lendringsen
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auf dem Weg vom Kalkwerk zum nächsten Acker
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Weitere Bilder:
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Henschel HS 22 HA bereit zum nächsten Einsatz auf dem Betriebshof in Hennen
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HS 22 HA beim Kalk bunkern in Lendringsen
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HS 22 HA beim Kalk bunkern in Lendringsen
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HS 22 HA beim Kalk bunkern in Lendringsen
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Weitere Bilder:
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Ausklappen der Streuer auf dem Feld
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Vorbereitung auf dem Feld
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Henschel in voller Fahrt
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Henschel in voller Fahrt
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Weitere Bilder:
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HS 22 HA im Einsatz
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HS 22 HA im Einsatz
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Mercedes-Benz LG 315 in Hennen
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soll verkauft werden: Mercedes-Benz LG 315
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Weitere Bilder:
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HS 22 HA im Einsatz
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HS 22 HA im Einsatz
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mit Selbstbaufront: Faun L 912/45 A von 1960
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Faun mit 230 PS-Henschel-Motor
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Weitere Bilder:
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Faun am 22.08.1994 in Iserlohn-Hennen
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Faun mit Selbstbaukabine und Pseudo-Klimaanlage
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nicht wirklich schön - Front des Faun
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Original - Pedal des Faun
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Weitere Bilder:
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HS 22 HA beim Kalk-Bunkern in Lendringsen
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HS 22 HA beim Kalk-Bunkern in Lendringsen
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Henschel im Einsatz auf einem Feld in Hennen
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Henschel im Einsatz auf einem Feld in Hennen
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