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Westfalia in der Wirtschaftswunderzeit
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Opel Blitz 1,75 to mit Kofferaufbau für die NAAFI
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Der Name Westfalia stand jahrzehntelang für den Bau innovativer
Wohnmobile, Wohnwagen, PKW-Anhänger sowie den Ausbau von Fahrzeugen für
den öffentlichen Dienst. Vom Glanz vergangener Zeiten ist nicht viel
geblieben. Heute existieren noch zwei Nachfolgefirmen des ehemals
großen Arbeitgebers in Rheda-Wiedenbrück. Die Firma Westfalia
Automotive fertigt Anhängekupplungen für alle Fahrzeuge und eine Firma
mit dem ebenso hochtrabenden wie nichtssagenden Namen Westfalia Van
Conversion baut heute als 100-prozentige Daimler-Chrysler-Tochter
moderne Reisemobile auf Basis von Mercedes-Benz-, Ford- und
Opel-Fahrzeugen.
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Unimog 401 mit Westfalia-Anhänger für den Fernmeldedienst der Deutschen Bundespost
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Angefangen hatte alles mit Johann Bernard Knöbel, der als 18jähriger
auf Wanderschaft ging und in Leipzig, Berlin, Hannover und Hamburg
arbeitete. Zurück in Wiedenbrück eröffnete er dort im Jahr 1844 einen
Handwerksbetrieb, der "die Bedürfnisse der Fuhrleute befriedigte". In
der Schmiede im elterlichen Haus am Klingelbrink 273 reparierte er jede
Art von Fahrzeugen. Darüber hinaus baute er erste Wagen und
Ackergeräte. 1876 entstand in seiner Werkstatt die erste Kutsche nach
eigener Konstruktion. Der Betrieb wurde später von seinem Sohn Wilhelm
übernommen. Dessen Bruder Franz wurde ausgezahlt, in dem er ein eigenes
Haus erhielt sowie das Werkzeug zum Aufbau eines eigenen Betriebs.
Franz Knöbel, der als Franz Knöbel sen. in die Firmengeschichte
einging, eröffnete die neue Firma im Jahr 1887. Mit einigen
Mitarbeitern fertigte er Kutschen, Jagdwagen, Schlitten und
Fahrgeschirre. Das Geschäft florierte. Sehr gut verkaufte sich die von
Knöbel entwickelte Selbstfahrerkutsche, die auch ohne Kutscher gefahren
werden konnte. Im Jahr 1922 wurde der Name "Westfalia" ins
Handelsregister eingetragen. Etwa zur gleichen Zeit begann bei Knöbel
das Zeitalter des motorisierten Fahrzeugs. Zunächst wurden
Handelsvertretungen für den Verkauf von PKW übernommen. 1927 fertigte
Westfalia die ersten offenen Kastenanhänger für PKW.
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Vom DKW blieben nur Motor, Getriebe und Vorderachse. Der Rest dieses schmucken Kundendienst-Wagens entstand bei Westfalia
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1933 übernahmen die Söhne Franz, Hans und Gerhard Knöbel das
Unternehmen. Die Fertigung von PKW-Anhängern wurde ausgebaut, nachdem
Franz im Jahre 1931 die Kugelkopfkupplung zum Patent angemeldet hatte.
1935 entstanden die ersten Wohnanhänger mit bis zu vier Schlafplätzen,
einer integrierten Küche sowie viel Stauraum. Ab 1937 wurden auch
Pritschen für LKW gebaut. Das Unternehmen expandierte. 1938 wurde der
Grundstein für ein neues Werk "Am Sandberg" gelegt. Zu der Zeit wurden
etwa 200 Mitarbeiter beschäftigt. 1942 erhielt das Unternehmen den bis
zuletzt geführten Namen "Westfalia-Werke Franz Knöbel & Söhne KG".
Kurz vor Kriegsende am 22.02.1945 wurde das neue Werk "Am Sandberg"
fast völlig zerstört. Doch nach Kriegsende ging es steil berauf. Ende
1945 waren schon wieder 200 Mitarbeiter im Einsatz. In der
Nachkriegszeit wurden viele Neuentwicklungen präsentiert. So wurde in
Zusammenarbeit mit Gutbrod die Karosserie für eine Gutbrod Superior
Kombi-Limousine entwickelt. Gutbrod selber baute damals nur ein
zweisitziges Coupe mit Rolldach. Die viersitzige Kombi-Limousine
ergänzte das Programm sehr gut. Von 1949 an bis zum Konkurs der Firma
Gutbrod wurden von dem Fahrzeug 866 Stück gebaut und auch von
Rheda-Wiedenbrück aus ausgeliefert.
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Westfalia-Viehtransport-Aufbau auf Borgward-Fahrgestell 1,25 to, Typ B 1250 aus dem Jahr 1951
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Darüber hinaus wurden Fahrerhäuser für den Unimog gefertigt.
Daimler-Benz selbst baute zu der Zeit nur die offenen Fahrerkabinen mit
Klappverdeck. Viele Kunden wie z. B. Spediteure, aber auch die Polizei
suchten ein geschlossenes Fahrerhaus. Westfalia baute es in den Jahren
1952 bis 1954 zunächst für den Unimog Typ 401 in kleinen Mengen. Es
folgte in der Zeit von 1954 bis 1979 das größere Haus für den Typ 406
in einer Stückzahl von 21.508. Außerdem wurde ein Kleinsttransporter
auf VW-Käfer-Fahrgestell entwickelt und gebaut. Dieser werksintern
"Fridolin" genannte Kombi entstand in Zusammenarbeit zwischen
Westfalia, dem VW-Werk und der Deutschen Bundespost in den Jahren 1963
und 1964. Das Fahrgestell war mit dem des Käfers mit der 1,3 Liter
Maschine und 34 PS Leistung identisch. Westfalia fertigte die
Karosserie einschließlich der Pressteile. Die komplette Montage auf das
Fahrgestell erfolgte in Wiedenbrück. Insgesamt wurden von diesem
Fahrzeugtyp 6.139 Stück gefertigt, von denen die Deutsche Bundespost 85
% erhielt. Weitere ca. 1.200 Stück wurden an die Schweizer Bundespost
geliefert.
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Tempo-Matador auf dem Alten Markt in Wiedenbrück, dem Standard-Fotostandort für Westfalia-Werksaufnahmen
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Zur gleichen Zeit entstand eine Anzahl verschiedener Modelle zur
Befriedigung der aufkommenden Reiselust der Bundesbürger. Neben
Ganzstahl-Wohnanhängern entstanden die ersten Wohnmobile auf Basis des
Volkswagen Bulli. Daneben wurden viele Sonderfahrzeuge als Einzelstücke
oder Kleinstserien hergestellt. Eine Spezialität der Fahrzeugbauer aus
Wiedenbrück waren Verkaufs- und Ausstellungsfahrzeuge, die auf den
unterschiedlichsten Fahrgestellen aufgebaut wurden. Beliebt waren
Fahrgestelle von Borgward, wie z. B. B 1250, B 1500 und B 2000, Opel
Blitz 1,75 to, DKW Schnelllaster, Gutbrod Atlas 800 sowie der Hanomag
L 28. Natürlich wurden auch weiterhin Verkaufsanhänger gebaut sowie
PKW-Anhänger in den verschiedensten Ausführungen. War die Fertigung der
in Serie gebauten Fahrzeuge wie des Gutbrod Superior oder die der
Unimog- Fahrerhäuser eine automatisierte Fertigung, so waren bei den
Verkaufswagen die Künstler aus der handwerklichen Abteilung des Hauses
gefragt. Besonderes Geschick war bei den runden Dächern dieser
Fahrzeuge gefragt. Es gab keine Pressteile aus Metall. Die
Dachkonstruktion bestand in der Regel aus Holzrahmen. Das Holz wurde
über Werkzeuge gezogen und so in Form gebracht. Für die Verkaufs- und
Ausstellungswagen reichten die kurzen Radstände der handelsüblichen
Lieferwagen nicht immer aus. Da die Fahrzeuge, wie z. B. der DKW
Schnelllaster, über Frontantrieb verfügten, wurden die Fahrgestelle
einfach verlängert. In vielen Fällen wurde sogar die Spurweite der
Hinterachse vergrößert, um eine größere Fläche im Wagen zu erreichen.
Kleinigkeiten wie Radkappen wurden mit einfachsten Mitteln selbst
gedrückt. Die Planen für Anhänger und Klein-LKW wurden im eigenen Haus
genäht. Die Fertigungstiefe war enorm. Dieser Zustand hielt bis zum
Ende der Sechziger Jahre an. Erst dann war Westfalia gezwungen, wegen
großer Stückzahlen, die für VW produziert wurden, die Fertigung zu
verschlanken und Teile zuzukaufen bzw. die Fertigung von Teilen
auszulagern.
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Gutbrod Atlas 800 als Ausstellungswagen
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Die eigene Firmengeschichte war der Familie Knöbel immer sehr wichtig.
So entstand bereits Mitte der Fünfziger Jahre in Rheda-Wiedenbrück ein
kleines Werksmuseum, in dem interessante Exponate gezeigt wurden. Fast
vierzig Jahre lang bestand hier die Möglichkeit für Interessierte, sich
über die Entwicklung des Werkes zu informieren. Interessante
Ausstellungsstücke wie Wohnmobile aus vier Jahrzehnten, PKW-Anhänger
aus der gleichen Zeit sowie Kutschen, Anhängevorrichtungen und andere
Teile, die bei Westfalia gefertigt wurden, waren hier zu sehen. Mit dem
Verkauf des Werkes und der Aufteilung in die beiden oben genannten
Nachfolgefirmen verschwand auch das Museum. Viele Exponate wurden
verkauft. So ging ein Container voller Westfalia PKW-Anhänger an einen
Sammler in den USA. Lediglich einige Wohnmobile auf VW-, Ford- und
Mercedes-Benz-Basis werden von der Westfalia Van Conversion in
Rheda-Wiedenbrück erhalten. In den Ausstellungshallen eines ehemaligen
BMW-Händlers stehen sie zur Besichtigung bereit. In den gleichen Räumen
wird auch die Auslieferung von Neufahrzeugen vorgenommen. Das Museum
hat keine festen Öffnungszeiten. Auf Wunsch werden jedoch fachkundige
Führungen angeboten. Interessierte können sich wenden an das
Westfalia Van Conversion Kundencenter, Holunderstrasse 27, 33397
Rheda-Wiedenbrück, Telefon 05242/5984-0.
Text: Manfred Koch
Fotos: Archiv Westfalia
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Weitere Bilder:
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Von diesen mobilen Jagdständen wurden in den Dreißiger Jahren etwa 10 bis 15 Stück gebaut für den "Oberjägermeister Göhring"
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ein handwerkliches Meisterstück - Pferdetransportanhänger aus den Dreißiger Jahren
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Fleischermeister Coenders musste extra für diese Werbeaufnahme auf dem Alten Markt einen Teil seines Sortiments auffahren
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"Bediene Dich selbst" - war auch schon im Jahr 1951 ein Thema bei der Verwirklichung dieses Automaten-Restaurants
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Weitere Bilder:
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Getränkeaufbauten wie dieser auf ein Gutbrod Atlas 800-Fahrgestell waren selten
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Verkaufswagen auf Gutbrod Atlas-Fahrgestell
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Gutbrod Atlas mit Viehtransport-Aufbau
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Milchverkaufswagen auf Gutbrod Atlas Fahrgestell
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Weitere Bilder:
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NAAFI Opel-Blitz fertig zur Auslieferung
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"Weich"-Blitz mit Getränkeaufbau für Libella Orangeade
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1,75 to Blitz Sattelzugmaschine mit Ausstellungs-Auflieger für die Firma Stricker in Bielefeld
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Hanomag L 28 mit Westfalia-Kofferaufbau fertig zur Auslieferung
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Weitere Bilder:
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Westfalia Viehtransport-Aufbau auf Borgward B 1250 auf dem Alten Markt in Wiedenbrück
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Borgward B 1250 Viehtransporter
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Borgward B 1250 mit Verkaufswagen-Aufbau
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Phänomen Granit mit Vorführ-Anhänger in Sachen Reklame unterwegs
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Weitere Bilder:
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hat im Westfalia Werksmuseum überlebt - DKW F 800/3 Wohnmobil aus dem Jahr 1956
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DKW Schnelllaster mit verlängertem und verbreitertem Fahrgestell als Ausstellungswagen für Schulmöbel
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Nicht schön, aber praktisch - Servicewagen auf DKW-Schnelllasterbasis
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Gutbrod mit Heckmotor und Pritsche von Westfalia
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Weitere Bilder:
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eine rollende Milchbar ist vorbereitet für die Lackierung
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das fertig lackierte Fahrzeug mit unbekanntem Antriebsaggregat beim Fototermin auf dem Alten Markt
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Tempo Matador Bücherbus mit Westfalia-Anhänger vor malerischer Kulisse
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1949 übernahm ARAL von Westfalia diesen zweiachsigen Kofferanhänger
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Weitere Bilder:
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der werkseigene Büssing-NAG liefert fertige Anhänger zur Verladung zum nahegelegenen Bahnhof
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Rohbau eines Tiefladesattelaufliegers
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der fertige Tiefladesattel im Jahr 1952 auf einem Unimog
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Pertrix-Werbeanhänger von 1950
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