|

|
|
 |
Stark, schnell, wirtschaftlich
|
 |
|
|
|
Der Meiller-Kipper auf dem Henschel ist voll funktionsfähig
|
Als das 50jährige Betriebsjubiläum ihres Unternehmens bevorstand,
erinnerten sich Reinhard Jäschke und sein mittlerweile verstorbener
Bruder Günther aus Bad Sassendorf-Elfsen an die Anfänge des elterlichen
Betriebs. Die Ursprünge der heutigen Firma G. R. Jäschke Transporte,
Abbruch GmbH gehen zurück auf das Jahr 1952. Damals gründeten Helmut
und Willi Jäschke, Vater und Onkel des heutigen Inhabers Reinhard ein
Transportunternehmen. Angefangen hatte es jedoch schon eine Generation
zuvor. Bereits der Opa betrieb in Seitendorf bei Hirschberg
(Riesengebirge/Schlesien) einen Holz-Rück- und Schleppbetrieb. Neben
Holz- führte er auch Lebensmitteltransporte durch. Kurz vor Ausbruch
des Zweiten Weltkriegs bestellte er bei Opel einen LKW, der dann auch
kurze Zeit später ausgeliefert wurde. Er bezahlte bar und staunte nicht
schlecht, als der flammenneue Laster kurze Zeit später von der
Wehrmacht dringend benötigt und beschlagnahmt wurde. Bei Ende des
Krieges wurden die Jäschkes aus dem Riesengebirge vertrieben und
mussten aussiedeln.
|
|
|
Reinhard Jäschke legt großen Wert auf eine authentische Beschriftung seines Kippers
|
Es verschlug sie nach Westfalen. Dort legten sie den Grundstein für ein
neues Transportunternehmen. Zunächst begannen Helmut und Willi wieder
mit Pferdefuhrwerken, die jedoch sehr schnell von den ersten LKW
abgelöst wurden. 1952 wurde das heutige Unternehmen offiziell
gegründet. Der Betrieb wuchs stetig. In den Fünfziger Jahren wurden
zunächst GMC, später Krupp, Borgward, Magirus und natürlich Henschel
gefahren. In Spitzenzeiten standen vier Henschel HS 100 K nebeneinander
auf dem Hof. Neben dem reinen Fuhrbetrieb gab es außerdem eine eigene
Sandgrube in Mantinghausen, einem heutigen Ortsteil von Salzkotten.
Dort wurde auch ein Fuchs Seilbagger zum Beladen der Kipper eingesetzt.
Maximal elf Lastzüge waren in den Fünfziger Jahren gleichzeitig im
Einsatz. Der erste richtig schwere Magirus-Kipper mit 175 PS wurde beim
Händler Hecker gekauft - ohne Anzahlung. Hecker ging davon aus, das die
Jäschkes gesund und kräftig waren und es schon schaffen würden, den
Wagen abzuzahlen. Dieses in sie gesetzte Vertrauen wollten die beiden
nicht enttäuschen und fuhren den Kipper rund um die Uhr im
Schichtbetrieb. Gefahren wurde alles, was auf dem Kipper Platz fand, z.
B. Kohle, Baustoffe etc.
|
|
|
Wie vor 50 Jahren - Henschel geparkt nach getaner Arbeit
|
Mittlerweile hat Reinhard Jäschke, der das Unternehmen mit seinem Bruder
übernahm, das 50jährige Firmenjubiläum gefeiert. Das Unternehmen stellt
sich heute als moderner, vielschichtiger Betrieb dar, der in den
Bereichen Abbruch, Transporte, Ausschachtungen und Umwelttechnik tätig
ist. Mittlerweile ist er seit etwa zwei Jahren zertifizierter
Entsorgungsfachbetrieb, der auch Problemböden, z.B. ölverseuchte,
ausbaggern und lagern darf. Nach Spitzenzeiten mit bis zu 25
Beschäftigten haben derzeit bedingt durch die Flaute am Bau noch zwölf
Mitarbeiter einen sicheren Arbeitsplatz. Sie bewegen zwölf LKW, sieben
Bagger und diverse Brecher und weitere Maschinen. Neben Reinhard
Jäschke, der im November 54 Jahre alt wird, ist mittlerweile auch sein
Schwiegersohn und sein Sohn, der letztens im Alter von 24 Jahren seine
Meisterprüfung als Tief- und Straßenbaumeister abgelegt hat, im
Geschäft tätig.
|
|
|
Der Henschel macht aus jeder Perspektive eine gute Figur
|
Da Reinhard Jäschke sich schon immer für historische PKW interessierte
und selbst z. B. eine BMW-Isetta und ein Ford Modell T als Coupe von
1930 sein eigen nennt, hielt er vor dem Firmenjubiläum Ausschau nach
einem passenden LKW-Oldtimer, möglichst mit dem Henschel-Stern auf dem
Kühlergrill. Es kam wie es kommen musste. Er geriet an einen
LKW-Händler aus Oberhausen, der ihm ein entsprechendes Objekt anbot. Es
handelte sich dabei um einen Henschel HS 100 mit Meiller-Kipper, der
natürlich aus erster Hand stammte. 1953 hatte der Veteran die erste
Fahrt absolviert und war seitdem hart rangenommen worden. Das
Fahrerhaus befand sich in einem desolaten Zustand. Mit viel Arbeit bei
der Aufarbeitung des Fahrzeugs war zu rechnen. Nach einigen
Überlegungen wurde das Wrack im Jahre 2002 gekauft zu einem Preis, der
in etwa dem Neupreis des Lasters im Jahre 1953 entsprach! Jäschke
konnten seine eigenen Möglichkeiten sehr gut einschätzen. Zunächst
hatte er überlegt, die Restauration selbst durchzuführen, verfügte er
doch über einen eigenen Fuhrpark mit ausreichend dimensionierter
Werkstatt. Er sah die Situation jedoch sehr realistisch. In seiner
Werkstatt würde der Henschel in den nächsten Jahren nicht fertig
werden, da ständig die aktuellen Fahrzeuge Vorrang haben würden.
|
|
|
Henschel HS 100 K auf der alten Ladestrasse des Güterbahnhofs in Soest
|
So entschloss er sich, den Kipper in Oberhausen von einem durch den
Händler vermittelten Karosserie- und Lackierbetrieb restaurieren zu
lassen. Fast drei Jahre lang stand der Henschel dann in Oberhausen und
wurde komplett aufgearbeitet. Sehr viel Arbeit machte das Fahrerhaus,
das vom Fahrgestell abgenommen wurde. An allen Ecken und Kanten hatte
der Rost sich ausgetobt. Die Rückwand des Fahrerhauses war nur
noch ein Lochblech und musste komplett neu angefertigt werden. Dabei
wurden die Sicken von Hand in das Blech getrieben. Allein dieses
Bauteil ist ein kleines Meisterwerk. Viel Klein- und Stückelarbeit
waren die weiteren Blecharbeiten am Fahrerhaus. Die
Meiller-Kipperbrücke wurde ebenfalls komplett auseinander genommen,
gesandstrahlt und neu aufgebaut. Auf Wunsch von Reinhard Jäschke, der
die Arbeiten immer wieder in Augenschein nahm, wurden die Holzbordwände
sehr hoch ausgeführt. So wirkt der Henschel schwerer und wuchtiger.
Einziger Lichtblick an der Neubeschaffung war das Triebwerk. Der
Vorbesitzer hatte zuletzt einen Original-Henschel-Austauschmotor
einbauen lassen, der vermutlich erst ca. 20.000 km gelaufen war. Der
Motor blieb unangetastet und leistet seit Sommer 2004 wieder
zuverlässig seine Arbeit in dem inzwischen fertiggestellten Kipper, der
in der Farbe "Henschel Grau" mit rotem Fahrwerk daherkommt. Z. Zt. ist
noch ein passender Kässbohrer Luftkipper in Arbeit, der demnächst an
den grauen Sternträger aus Kassel angehängt werden soll.
|
|
|
Blick auf die Instrumententafel des Henschel
|
Reinhard Jäschke ist seit seinem 20. Lebensjahr nach einer Ausbildung
zum Kfz.-Elektriker aktiv im eigenen Betrieb. Er ist sich vollkommen
klar darüber, dass der restaurierte Henschel derzeit viel zu wenig
bewegt wird. Die Zeit für das Hobby fehlt im Moment. Jäschke hofft
jedoch, in ein paar Jahren kürzer treten zu können und dann mit dem
Kipper auch einmal zu Treffen zu fahren und dort z. B. in einer
Sandgrube noch einmal die alten Zeiten aufleben zu lassen, die er als
Kind und Jugendlicher noch live miterlebt hat.
Text: Manfred Koch
Fotos: (c) Manfred Koch
Alle Fotos dieses Artikels können auch als Papierabzug im Format 13x18
cm zum Stückpreis von € 2,-- zuzüglich Porto und Verpackung bestellt
werden bei powalski@freenet.de
|
|
Weitere Bilder:
|
|
|
|
|
|
Vorbildgerechte Restaurierung: Nebellampen, Winker und Peilstangen runden das Bild des Henschel ab
|
Die hohen Bordwände lassen den Kipper wuchtiger erscheinen
|
Gelungene Restaurierung - HS 100 K beim (gestellten) Kippvorgang
|
Sachte senkt sich die Meiller-Brücke nach dem Kippvorgang
|
|
|
Weitere Bilder:
|
|
|
|
|
|
Sachte senkt sich die Meiller-Brücke nach dem Kippvorgang
|
Der Henschel macht eine gute Figur an der Laderampe eines Landhändlers in Soest
|
Stammen aus der gleichen Zeit: Henschel und Sackkarre
|
Der Henschel konnte in den Farben grau/rot ab Werk geordert werden
|
|
|
Weitere Bilder:
|
|
|
|
|
|
Sah in seinem ersten Leben nicht lange so gepflegt aus - Henschel HS 100 K
|
Originalgetreues Standortschild
|
Zeitgenössische Beschriftung am Heck des Kippers
|
einfach nur schön - regennasser Henschel
|
|
|
Weitere Bilder:
|
|
|
|
|
|
Mit dem Soester Hauptbahnhof im Hintergund - HS 100 K im Regen
|
Die Kipperbrücke ist etwas nach hinten versetzt, um Platz für das Ersatzrad zu schaffen
|
Die Kipperbrücke ist etwas nach hinten versetzt, um Platz für das Ersatzrad zu schaffen
|
Henschel mit dem ständig eingerüsteten "Soester Dom" im Hintergrund
|
|
|
Weitere Bilder:
|
|
|
|
|
|
Dazwischen liegen fast 50 Jahre: Henschel HS 100 K und aktueller MAN 27.464 DFS
|
Dazwischen liegen fast 50 Jahre: Henschel HS 100 K und aktueller MAN 27.464 DFS
|
Halbe Portion - der Henschel wirkt sehr filigran zwischen den modernen Kollegen
|
Mit solch schwerem Gerät verdient die Firma Jäschke heute ihr Geld
|
|
|
Weitere Bilder:
|
|
|
|
|
|
Der Henschel stammt aus einer Zeit, in der jeder Laster noch ein individuelles Gesicht hatte
|
Der einzig wahre Stern am Lasterhimmel
|
Reinhard Jäschke vor seinem Lieblings-LKW
|
|
|
|
|
 |
|
 |
|
|
|
|
|