|
|
105er Buessing-NAG mit dem heutigen Inhaber Eugen Jung auf dem Kotfluegel
|
1911 gründete der Großvater des heutigen Inhabers der Kasseler Spedition Jung in Zwickau in Sachsen ein Fuhrunternehmen. Mit Pferd und Wagen war er fortan unterwegs, hauptsächlich im Nahbereich. Dem Fuhrbetrieb angegliedert war eine Kohlen- und Bierhandlung. Der Fortschritt des kleinen Unternehmens wurde unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg, den Jung aber unbeschadet überstand. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen wuchs das Unternehmen. Es wurden erste LKW beschafft, über die aber nichts überliefert ist. Auch der Zweite Weltkrieg wurde heil überstanden. Paul Jung, Sohn des Firmengründers führte das Geschäft nun fort. 1946 war u. a. ein aus ehemaligen Wehrmachtsbeständen stammender Büssing-NAG mit 105 PS für diverse Kunden unterwegs. Der Büssing wurde oft mit zwei Anhängern eingesetzt. Da Reifen Mangelware waren, wurden sogar die Räder von Flugzeugen, die um Zwickau herum gestrandet waren, demontiert und für die Anhänger hergerichtet. Die Hauptsache war, dass die Räder rollten.
|
|
|
der Fuhrpark 1954: Magirus-Deutz 3500 und zwei Henschel HS 140
|
Die Geschäfte in der SBZ (sozialistisch besetzen Zone) entwickelten sich nicht wie gewünscht. So zog Jung es vor, sich in den Westen zu orientieren. In Kassel lebten Verwandte, zu denen er im Jahr 1950 zog. Lediglich den 105er Büssing konnte er mit bringen. Der Rest seines Eigentums verblieb im Osten und wurde beschlagnahmt. Am 01.01.1950 wurde eine neue Firma in Kassel unter dem Namen Paul Jung Spedition eingetragen. Von nun an fuhr Jung mit dem 105er auf Ferntouren, z.B. von Kassel ins Ruhrgebiet. Aufträge erhielt er von anderen Spediteuren aus dem Kasseler Raum. Da damals noch keine Autobahn bestand, ging es über Bundesstraßen, die keinen Berg und keinen Hügel ausließen. Die Bundesstrasse von Kassel Richtung Westen verlief über Warburg und Scherfede und wies dort einige extreme Steigungen auf. Hier war es dann notwendig, den zweiten Anhänger erst einmal unten am Berg stehen zu lassen, den ersten Anhänger auf oder über den Berg zu transportieren, zu wenden und dann den zweiten Anhänger nachzuholen. Da dieses "Anhängertreideln" oft die gesamte Nacht in Anspruch nahm, hießen die Berge um Scherfede "Lange Nacht".
|
|
|
war selten solo unterwegs: Krupp Mustang
|
1953 gehörte Paul Jung neben der Spedition Rettberg zu den Mitbegründern des KSK Kasseler Speditions-Kontor. Diese an sich gute Kooperation hielt jedoch nicht lange. Sowohl Rettberg als auch Jung waren eigenständige Unternehmer, die die neu gegründete Vereinigung kurze Zeit später wieder aufkündigten, da beide erkannt hatten, dass das Schwimmen alleine schneller geht als gemeinsam. Ebenfalls 1953 wurde der Betriebshof in der Sternbergstrasse bezogen. Hier hatten alle vorhandenen Lastzüge Platz. Bereits 1960 wurde dann erneut umgezogen. Da der Fuhrpark gewachsen war, wurde ein Neubau in der Kohlenstrasse bezogen, wo die Spedition auch heute noch ansässig ist.
|
|
|
bis heute ungeklärt: Tankwagenunfall in Lichtenau
|
Im Laufe der Jahre wurden Fahrzeuge verschiedener Hersteller gefahren. Kam Paul Jung zunächst mit einem Büssing in den Westen, so beschaffte er später aus naheliegenden Gründen LKW der Kasseler Firma Henschel. Neben HS 140 waren später Frontlenker mit Tram-Fahrerhäusern im Einsatz. Neben Lastzügen mit Planen hatte Jung auch Tankwagen im Einsatz. Dieser Geschäftszweig wurde jedoch nach einem tödlichen Unfall aufgegeben. Nach der Übernahme der Firma Henschel durch Daimler-Benz wurde dann auch der Sternenwechsel bei Jung vollzogen. In der Zeit, als Mercedes Fahrzeuge nur noch zuwies, wechselte Jung dann auch einmal zu MAN. Im Einsatz waren in den Siebziger Jahren F 8-Modelle, dabei sogar einige Unterflurfahrzeuge. Mit dem Einritt von Eugen Jung in die Geschäftsführung ging es dann ab er wieder in Richtung Mercedes. Der Diplom-Kaufmann ist seit 1972 in der Firma, seit 1975 ist er Prokurist und seit 1985 Geschäftsführer der GmbH. Er rechnete nach, dass Daimler-Benz-Fahrzeuge die wirtschaftlichsten sind.
|
|
|
Fuhr Werbung für einen guten Kunden: Krupp Frontlenker
|
Wurde in den 50er und 60er Jahren auch internationaler Fernverkehr betrieben, so wird heute nur noch national gefahren. 16 Lastzüge mit dem Mercedes-Stern auf dem Kühlergrill sind heute für das Kasseler Traditionsunternehmen auf Deutschlands Strassen unterwegs. Gefahren wird hauptsächlich nach Norddeutschland, zu den Seehäfen und in die Gebiete Rhein/Ruhr und Rhein/Main. Die Kunden kommen aus der Automobil-, der Landmaschinen- sowie der Lebensmittelindustrie sowie der chemische Industrie. Jung ist Gefahrgutspediteur. Am Standort Kassel wird ein Lager für diverse Kunden betrieben.
Text: Manfred Koch
Fotos: Archiv Jung
|
|
Weitere Bilder:
|
|
|
|
|
|
Henschel HS 140 im Jahr 1951 für Jung im Fernverkehr unterwegs
|
Der Drehkranz des Anhängers riss ab bei diesem Henschel HS 140 Lastzug im Jahr 1952
|
Fuhrpark 1957: HS 140, Mustang und Henschel mit Tram-Fahrerhäusern
|
ein mit Heizoel beladener Henschel Tanksattelzug fuhr 1965 in Lichtenau in einer Linkskurve einfach geradeaus
|
|
|
Weitere Bilder:
|
|
|
|
|
|
Der Fahrer, der gerade aus dem Urlaub zurück war, verbrannte in seinem Henschel
|
Ein Reifenplatzer bedeutete 1968 das Aus für diesen zweiachsigen Anhänger
|
die Reste des verunglücken Anhängers
|
Paul Jung begutachtet die Reste des verunglücken Anhängers
|
|
|
Weitere Bilder:
|
|
|
|
|
|
ein neuer HS 16 wird für den Einsatz vorbereitet
|
Spriegel und Plane werden vor Ort montiert
|
Fertig - der Beschrifter kann kommen
|
der Chef nimmt Mass
|
|
|
Weitere Bilder:
|
|
|
|
|
|
der stolze Chef vor einem stolzen Fernverkehrslastwagen
|
fertig für die erste Tour
|
HS 15 Sattelzug mit Nachwuchsfahrerin
|
Henschel HS 15 auf dem Betriebshof in Kassel
|
|
|
Weitere Bilder:
|
|
|
|
|
|
Heckansicht eines Sattelaufliegers in den Sechziger Jahren
|
markantes Gesicht: Henschel HS 16
|
31.08.65 - Katastrophe in Lichtenau
|
Der Henschel riss einen Strommasten mit. Durch den Funkenflug entzündete sich das Heizöl
|
|
|
Weitere Bilder:
|
|
|
|
|
|
Erster Kontakt zu MAN: Kurzhauber unterwegs in Farben der Spedition Kühne & Nagel
|
Wochenendbeschäftigung: Bremsen belgen am Hanomag-Henschel F 161
|
Sonntag Abend muss er wieder rollen
|
MAN 16.320 Unterflur während der MAN-Phase
|
|
|
Weitere Bilder:
|
|
|
|
|
|
mit MAN-Büssing-Schriftzug auf dem Grill, 16.320 U
|
Mercedes-Benz LPS 1635 der neuen Generation
|
Blick auf Betriebsgelände und Fuhrpark im Jahr 1982
|
Luftaufnahme 1981: Betriebsgelände an der Kohlenstrasse in Kassel
|
|
|
Weitere Bilder:
|
|
|
|
|
|
Mercedes-Benz LP 1633 und 1635 NG
|
Mercedes-Benz LP 1633 und 1635 NG
|
Auch schon wieder Geschichte: LP 1735 der schweren Klasse werden derzeit durch MP 2 ersetzt
|
Im Jahr 2004 neu im Fuhrpark: Lowliner Actros
|
|